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Praxisgründungsseminar

Fr, 24.04.2026 und Sa, 25.04.2026

Kurs 26391

KHI-Thementag

Seit einigen Jahren wird von Zahnmedizinern, Orthopäden und Physiotherapeuten vermehrt ein Zusammenhang zwischen Fehlokklusion und skelettalen sowie myogenen Beschwerden im Bereich des Rückens und des Beckens gesehen. Unstrittig war bisher eine Wechselwirkung innerhalb des craniomandibulären Systems, die zu Beschwerden im Kopf- und Nackenbereich geführt hat.

Der aktuell stattfindende Paradigmenwechsel geht deutlich darüber hinaus und führt zu der Feststellung, dass es eine eindeutige deszendierende Fortsetzung des Beschwerdebildes von der Fehlokklusion bis zum Beckenschiefstand gibt. Viele Praktiker beobachten diesen Zusammenhang in ihren Praxen, aber auch von einzelnen Hochschulen gibt es bereits Ansätze, die diese Koinzidenz anerkennen und eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Zahnärzten und Kieferorthopäden auf der einen und Orthopäden und Physiotherapeuten auf der anderen Seite fordern.

Die Frage, die sich hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen dem craniomandibulären System und der Wirbelsäule stellt, betrifft nicht nur den Grad der Evidenzbasiertheit. Sie fokussiert insbesondere auch darauf, ob die Behandlung einer craniomandibulären Dysfunktion ausschließlich funktionstherapeutisch mit Hilfe von Schienen und manueller Therapie erfolgen soll, oder ob es sinnvoll ist, den ganzheitlichen Aspekt von Anfang an zu sehen und die okklusions- und kiefergelenksbezogene Therapie simultan auf das skelettale System auszudehnen.

Angesichts der aktuell strittig geführten Diskussion über die indizierten Therapien, erscheint es sinnvoll, im Rahmen des KHI-Thementages eine aktuelle, wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme zu diesem Thema durchzuführen.

Vor diesem Hintergrund wurden engagierte Kollegen beider Lager in das Karl-Häupl-Institut eingeladen.

Wir erwarten eine spannende Diskussion zwischen Referenten, die den ganzheitlichen Therapieansatz verfolgen und Kollegen, die die Funktionstherapie primär okklusionsbezogen als eine klassische zahnärztliche Behandlung einer CMD ansehen. Wir freuen uns daruf, dass die Teilnehmer sich an dieser Diskussion aktiv beteiligen und ihre persönlichen Erfahrungen einbringen. Die akademische Kontroverse soll in einem angenehmen kollegialen „Come together“ von einer übertriebenen Dogmatik der jeweiligen Standpunkte befreit werden.

Dr. med. habil. Dr. Georg Arentowicz

Dr. Jürgen Dapprich

seit 1973 in eigener Praxis in Düsseldorf, ist u.a. Mitglied der „Neuen Gruppe“, der DGFDT sowie Fellow des International College of Dentists und der Pierre Fauchard Academy. Spezialist für Funktionsdiagnostik und Therapie sowie Ehrenmitglied der DGFDT. Autor der Bücher „Totalprothetik“ mit ZTM E. Oidtmann Quintessenz Verlag Berlin 2001, Russische Ausgabe 2007, „Funktionstherapie in der zahnärztlichen Praxis“ Quintessenz Verlag Berlin 2004 und „Interdisziplinäre Funktionstherapie, Kiefergelenk und Wirbelsäule“ Deutscher Ärzteverlag Köln 2016. 2. überarbeitete Auflage 2018. 20 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und über 100 Kurse und Vorträge im In- und Ausland. Seit 2005 limitiert auf Funktionsdiagnostik und Therapie im CMD-Centrum-Düsseldorf.

Dr. Ingolf Säckler

– 2016 Dozent Focus Corporation Beijing
– Dozent IDEA San Francisco
– Dozent Postgraduate Master Study Prosthetics MedUniWien
– 2015 Vortrag Okllusion und Haltung Summer School Bernhard Gottlieb Universität Wien
– 2014  Dozent Postgraduate Master Study Prosthetics MedUniWien
–  Seit 2013  Dozent Orthopedics and Osteopathics VieSID Wien
– 2012 Diplom Osteopathische Medizin DGOM und EROP
– 2007 Zusatzbezeichnung Akupunktur
– Ab 1996 eigene orthopädische Praxis in Köln
– 1996 Zusatzbezeichnung Sportmedizin
– 1995 Facharztanerkennung  Orthopädie und Zusatzbezeichnung Physikalische Therapie
– 1993 Zusatzbezeichnung  Chirotherapie
– 1991-1995 Weiterbildung Orthopädie RWTH Aachen
– 1990 Promotion
–  1985 and 1986 Studienaufenthalte am Hospital for Joint Diseases, New York, N.Y.
– 1982-1988 Studium der Humanmedizin Universität Köln

Prof. Dr. Alfons Hugger

– 1985-1990 Studium der Zahnmedizin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
– 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik (Direktor: Univ.-Prof. Dr. U. Stüttgen), Westdeutsche Kieferklinik
– 1991 Promotion
– 1999 Spezialist für Zahnärztliche Prothetik DGZPW/DGPro
– 1999 Habilitation, Ernennung zum Privatdozent, Oberarzt
– 2004 Ernennung zum apl. Professor
– seit 2005 Stellvertr. Studiendekan der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Bereich Zahnmedizin
– 2006 Spezialist für Funktionsdiagnostik/Funktionstherapie DGFDT
– 2010 Master of Medical Education (MME, Universität Heidelberg)
– 2015/2016 komm. Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
– 2016 Stellvertreter der Direktorin, Univ.-Prof. Dr. Petra Gierthmühlen, der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Westdeutsche Kieferklinik, Universitätsklinikum Düsseldorf

PD Dr. Daniel Hellmann

Beruflicher Werdegang
– 2018 Umhabilitation – Erteilung der Venia Legendi durch die Universität Würzburg
– 2017 Abschluss der Habilitation und Erteilung der Venia Legendi durch die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg
– seit 2017 Oberarzt an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Würzburg
– 2014 Ernennung zum Spezialisten für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT)
– 2012 – 2016 Niedergelassene Tätigkeit im Team der  Zahnärzte in Wi.Z, Aalen
– seit 2012 Aufnahme als Habilitand durch die medizinische Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
– 2011 Baden-Württemberg Zertifikat für Hochschuldidaktik
– 2011 Promotion zum Dr. med. dent. durch die medizinische Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
– 2009 – 2016 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Heidelberg
– 2008 – 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Düsseldorf

Ausbildung
– 
2008 Approbation
– 2008 Zahnärztliche Prüfung
–  2005 Zahnärztliche Vorprüfung
– 2002-2008 Studium der Zahnmedizin an der Universität Düsseldorf
– 2003 Meisterprüfung im Zahntechnikerhandwerk
– 2000 Prüfung Fachkaufmann für Handwerkswirtschaft
– 2000 Ausbildereignungsprüfung
– 1999 – 2003 Zahntechniker im Dentallabor Hellmann & Stein, Hagen
– 1999 Gesellenprüfung
– 1995 – 1999 Ausbildung zum Zahntechniker
–  1994 –1995 Wehrdienst: 3.Panzergrenadierbataillon 212, Augustdorf
–  1994 Abitur

Programm

09.00 – 09.15 Begrüßung Dr. med. habil. Dr. Arentowicz

09.15 – 10.15 Vortrag Prof. Dr. Hugger

Ganzheitlich oder was? Formen der Annäherung an ein kontroverses Problem
Der Begriff der „ganzheitlichen Betrachtung“ ist in unserer Zeit weit verbreitet und scheint Allgemeingut geworden zu sein. In einem an sich kleinen Tätigkeitsgebiet, wie es für die Zahnmedizin erscheint, ergeben sich unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit völlig neue Perspektiven. Jedoch was wissen wir wirklich über die Beziehung zwischen Kausystem und anderen Bereichen des Körpers? Gibt es gesicherte Erkenntnisse oder liegen vielmehr Vermutungen und spekulative Vorstellungen vor? Ist eine postulierte Wechselwirkung mit den Begriffen Kiefergelenk und Wirbelsäule richtig adressiert? Können vermeintliche Behandlungserfolge das Postulat bestätigen im Sinne „Wer heilt, hat recht“? Welche Hilfestellungen kann uns zur angesprochenen Thematik die wissenschaftsbasierte Zahn-Medizin geben? Und welche Bedeutung haben in diesem Kontext die Individualität des Patienten und die klinische Erfahrung, Expertise und Intuition des Behandlers?

Mit dem pointierten Herausstellen dieser und ähnlicher Fragen soll das Terrain des Thementages vorgestellt und abgeschritten werden, um daran anschließend Ansätze zu einer Beantwortung zu geben, die im Laufe der weiteren Vorträge und Diskussionsbeiträge Konkretisierung erfahren werden. In diesem Sinne bestünde das Resümee am Ende dann nicht in der Feststellung: Vorhang zu und alle Fragen offen.

10.15 – 10.30 Kaffeepause

10.30 – 11.30 Vortrag Dr. Dapprich

Interdisziplinäre Funktionstherapie, Kiefergelenk und Wirbelsäule
In den letzten 15 Jahren hat es bei der Diagnostik und Therapie der CMD einen Paradigmenwechsel gegeben. Die lokale Betrachtung des craniomandibulären Systems hat sich zur interdisziplinären Diagnostik und Therapie mit Einbeziehung des gesamten Körpers erweitert. Wenn der Bewegungsapparat durch eine CMD mitbeteiligt ist, ändert sich ständig die Kondylenposition und damit die Okklusion. Erst durch die interdisziplinäre Therapie bleibt die Okklusion und damit die zentrische Kondylenposition stabil. Ebenso werden 80% aller Kopf- , Nacken- und Rückenschmerzen durch eine CMD ausgelöst. Daneben können aber noch wesentlich mehr Symptome beteiligt sein. (siehe Abb. 1) Das Thema interdisziplinäre CMD ist ganz aktuell, denn die meisten Ärzte, besonders Neurologen bei Kopf- oder Orthopäden bei Rückenschmerzen, kennen die Auswirkungen einer  CMD auf ihre Patienten nicht. 39% aller Deutschen klagen oft oder ständig über Rückenschmerzen, 29% empfinden sie ab und zu, nur 20% hatten noch nie Rückenschmerzen. Orthopäden können aber nur bei 15% aller Patienten mit MRT und CT feststellen woher die Schmerzen kommen, weil die von einer CMD ausgelöst werden. Nach Schätzungen der Krankenkassen sind 10 bis 17 % aller Deutschen Schmerzpatienten und trotz steigender Ärztezahlen, besonders der  Schmerztherapeuten, wird die Zahl der Schmerzpatienten immer größer, weil viele CMD-Patienten nicht erkannt werden. Die aktuellen Leitlinien sagen, dass die interdisziplinäre CMD-Therapie und die Bedeutung der Okklusion unumstritten ist, gehen aber davon aus, dass die zahnärztliche Primärtherapie bei einer CMD erst einmal Schienen sind, da nur wenige Patienten ganzheitlich betroffen seien. Das ist so aber nicht richtig, denn fast alle CMD-Patienten haben eine Mitbeteiligung des ganzen Körpers. Deshalb muss die Therapie von Anfang an ganzheitlich und interdisziplinär erfolgen und zuerst immer eine ganzheitliche Diagnostik durchgeführt werden.

11.30 – 12.30 Vortrag Dr. Säckler

Okklusion und Körperhaltung – Interdisziplinäre Zusammenarbeit Zahnheilkunde, Orthopädie und Osteopathie
In Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr in das Bewusstsein gerückt, dass okklusale Probleme in der Kieferorthopädie und Zahnheilkunde Folgen im ganzen menschlichen Körper haben können, sei es durch Schmerzen, Funktionstörungen oder psychische Erkrankungen.
Durch die intensive Arbeit von einigen Zahnärzten, Kieferorthopäden, Physiotherapeuten, Manualmedizinern und Osteopathen hat sich eine vielfältige Landschaft von Methoden der Diagnostik und Therapie von Kiefergelenkserkrankungen entwickelt. Im internationalen Vergleich sind wir neben Österreich hiermit sehr gut aufgestellt und entwicklungsfreudig.
Gleichzeitig gibt es auch noch eine Reihe von Zahnärzten, die diese Entwicklungen für unnötig hält.
Wissenschaftlich bewiesen ist jedoch, dass interdisziplinäre Ansätze zur Behandlung von okklusalen Problemen mit Physiotherapeuten und Manueller Medizin erfolgreicher ist als der alleinige zahnärztliche Weg.
Vielfach gibt es allerdings Hindernisse zu einer erfolgreichen Behandlung, da Fehlerquellen nicht analysiert und ausgeräumt werden können.
Dieser Workshop soll Ihnen die Zusammenhänge zwischen Okklusion und Körperhaltung darstellen, die Bedeutung einer orthopädischen, einer manualmedizinischen und besonders osteopathischen Diagnostik zeigen und gleichzeitig ein schlüssiges Therapiekonzept vermitteln, hierbei werden auch die pitfalls berücksichtigt.
Ausdrücklich erwünscht ist die aktive Mitarbeit durch interaktive Diskussionen und, wenn gewollt, das zur Verfügung stellen als Proband.
Zielgruppe sind Einsteiger in das Thema und Fortgeschrittene, die für sich Problemlösungen in der eigenen interdisziplinären Zusammenarbeit suchen.
Es wird ein spannender Tag werden!

12.30 – 13.30 Mittagspause

13.30 – 14.30 Vortrag PD Dr. Hellmann

Das Bein zu kurz, der Hals wird schiefer – ganz klar, das kommt vom Kiefer!
Das kraniomandibuläre System (KMS) unterhält funktionell enge Verbindungen mit den weiteren Körpersegmenten und es ist nicht von der Hand zu weisen ist, dass es bei anhaltenden Veränderungen der biomechanischen Gleichgewichtsbedingungen im KMS auch zu Anpassungen in angrenzenden Segmenten kommen kann. Allerdings muss ebenfalls konstatiert werden, dass zum einen die meisten funktionellen und strukturellen Abweichungen von der Norm im KMS keinerlei pathophysiologische Potenz zu besitzen scheinen und, dass zum anderen über die pathophysiologische Wertigkeit von Funktionsstörungen des KMS bis heute außer Expertenmeinungen nichts wissenschaftlich Belastbares bekannt ist. Die Vielfalt an Meinungen führt aber leider vermehrt zu einer Verunsicherung im Kollegenkreis, ob und wie Patienten mit komplexen Beschwerdebildern zu behandeln sind. Der Vortrag stellt vor dem Hintergrund aktueller und international konsensfähiger Hypothesen die zahnmedizinisch relevanten Zusammenhänge zwischen dem KMS und den weiteren Segmenten des Körpers dar und gibt Orientierung bzgl. eines zahnärztlich regelkonformen diagnostischen und therapeutischen Vorgehens im klinischen Alltag einer kassenzahnärztlichen Praxis.

14.30 – 15.30 Diskussionsrunde zwischen Referenten und Teilnehmern des Thementages – Come together